Verzahnungsarten
Geradverzahnung – Funktion, Fertigung und Einsatz

Technische Rahmendaten
Technische Rahmendaten geradverzahnter Stirnräder
Übersicht des Fertigungsbereichs. Die konkrete Auslegung erfolgt projektspezifisch in der technischen Abstimmung.
| Parameter | Bereich | Detail | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Modul | 0,3 – 10 | Standardbereich Stirnverzahnungen | Sondermodule auf Anfrage |
| Max. Durchmesser | bis 400 mm | Außenverzahnungen | abweichende Geometrien projektabhängig |
| Verzahnungsqualität | bis DIN 2 | mit Profilschleifen | wälzgefräst standardmäßig Qualität 5 – 7 |
| Verfahren | Wälzfräsen | Standard | Honen oder Profilschleifen für höhere Qualität |
| Werkstoffe | Stahl, Edelstahl, Bronze | gehärtet oder vergütet je nach Belastung | Sonderwerkstoffe auf Anfrage |
Definition
Was ist eine Geradverzahnung?
Geometrie und Eingriff
Bei der Geradverzahnung laufen die Zähne parallel zur Drehachse des Zahnrads. Der Zahneingriff verläuft über die volle Zahnbreite gleichzeitig – der Zahn tritt schlagartig in den Gegenzahn ein und genauso schlagartig wieder aus. Das macht die Geradverzahnung konstruktiv einfach und in Auslegung wie Fertigung wirtschaftlich.
Vorteile, Grenzen und Einsatzlogik
Geradverzahnte Stirnräder haben drei klare Vorzüge: keine Axialkraft (die Lagerung kann rein radial ausgelegt werden), geringe Fertigungskosten und eine konstruktiv übersichtliche Auslegung. Dem stehen ein lauterer Lauf, eine geringere Tragfähigkeit bei gleichem Modul und höhere Schwingungsanregung gegenüber – Eigenschaften, die in geräuschsensiblen oder hochbelasteten Antrieben zur Schrägverzahnung führen.
Die Geradverzahnung bleibt die richtige Wahl überall dort, wo Bauraum, Lager und Wirtschaftlichkeit gegen den Geräuschvorteil der Schrägverzahnung sprechen – etwa in Fördertechnik, Anlagenbau und klassischen Getriebestufen mit moderaten Drehzahlen.
Fertigung
Fertigung von Geradverzahnungen
Die Geradverzahnung ist das fertigungstechnisch unkomplizierteste Außenverzahnungs-Profil. Wir setzen je nach Qualitätsanforderung zwei Verfahren ein – beide aus einer Verantwortung, mit kurzem Draht zwischen Konstruktion und Fertigung.
Wälzfräsen – der Standardprozess
Das Wälzfräsen ist das wirtschaftlichste Verfahren für geradverzahnte Stirnräder und unser Standard für Einzelteile, Prototypen und Serien. Es ist flexibel bei Modul, Zähnezahl und Zahnbreite – auf unseren Pfauter-, Koepfer- und Gleason-Maschinen sind Verzahnungsqualitäten zwischen DIN 5 und 7 standardmäßig erreichbar.
Härten – Tragfähigkeit aufbauen
Wo das Bauteil hohe Tragfähigkeit oder Verschleißfestigkeit braucht, folgt nach dem Verzahnen optional das Härten – typisch Einsatzhärten oder Vergüten. Die Wärmebehandlung läuft bei ROTAX über qualifizierte Partner; Steuerung und Qualitätsverantwortung bleiben bei uns. Bei moderaten Belastungen kann der Schritt entfallen.
Profilschleifen – für höchste Anforderungen
Wo Laufruhe oder Tragbild über das übliche Maß hinaus gefordert sind, schleifen wir die Verzahnung profilgenau auf Reishauer- und Höfler-Maschinen – Qualitäten bis DIN 2 sind damit reproduzierbar. Die Endkontrolle übernehmen Verzahnungsmessmaschinen von Klingelnberg und Mitutoyo, auf Wunsch mit detailliertem Messprotokoll zur Lieferung.
Anwendungen
Einsatzgebiete von Geradverzahnungen
Geradverzahnte Stirnräder sind die Standardwahl überall dort, wo der Verzicht auf Axialkraft, eine wirtschaftliche Fertigung und konstruktive Einfachheit wichtiger sind als der Geräuschvorteil der Schrägverzahnung.
Klassische Getriebestufen
Stirnradgetriebe mit Geradverzahnung in Antrieben mit moderaten Drehzahlen und ohne besondere Geräuschanforderung.
Fördertechnik
Antriebsräder in Förderbändern, Hebezeugen und Transportsystemen – robust, wirtschaftlich, wartungsfreundlich.
Maschinen- und Anlagenbau
Allgemeine Antriebsstufen in Werkzeugmaschinen, Sondermaschinen und Anlagen mit parallelen Wellen.
Retrofit und Ersatzteilfertigung
Nachfertigung geradverzahnter Zahnräder als Ersatzteil – auch ohne vorhandene Zeichnung über Reverse Engineering.
Brauchen Sie ein geradverzahntes Stirnrad nach Zeichnung oder Muster? Schicken Sie uns Ihren Fall, wir melden uns mit Machbarkeit und konkretem Angebot.
Anfrage sendenFAQ
Häufige Fragen zur Geradverzahnung
- Die Geradverzahnung ist die richtige Wahl, wenn die Lager- oder Gehäuse-Auslegung keine Axialkraft aufnehmen soll, wenn Wirtschaftlichkeit über Laufruhe geht oder wenn die Drehzahlen niedrig genug sind, dass der Geräuschvorteil der Schrägverzahnung keine Rolle spielt. Bei höheren Drehzahlen, geräuschsensiblen Anwendungen oder hohen Lasten ist umgekehrt die Schrägverzahnung meist die bessere Wahl.
- Wälzgefräste geradverzahnte Stirnräder erreichen typischerweise DIN-Qualität 5 bis 7. Mit anschließendem Profilschleifen sind Qualitätsstufen bis DIN 2 reproduzierbar – die Grundlage für besonders laufruhige und hochbelastbare Antriebsstufen. Die konkrete Zielqualität legen wir projektspezifisch fest, abhängig von Anwendung, Stückzahl und wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit.
- Wir fertigen Stirnräder unter anderem aus Stahl (vergütet oder einsatzgehärtet, je nach Belastung), Edelstahl (Korrosionsbeständigkeit, Hygieneanforderungen) und Bronze. Die konkrete Werkstoffwahl stimmen wir projektspezifisch mit Ihnen ab.
- Ja. Wenn keine Zeichnung mehr vorliegt – typisch bei Ersatzteilen für ältere Anlagen – rekonstruieren wir die Verzahnungsdaten direkt am Bauteil und überführen sie in eine reproduzierbare Fertigungsspezifikation.
- Ja. Wenn die Verzahnungs-Berechnung im Team nicht abgedeckt ist, übernehmen wir die Auslegung gemeinsam mit Ihnen – auf Basis von Lastfall, Drehzahl, Bauraum und Werkstoff. Konstruktions- und Fertigungssicht werden dabei von Anfang an zusammen gedacht.
Kontakt
Ihre Geradverzahnung nach Zeichnung oder Muster
Senden Sie uns Ihre Anfrage mit Zeichnung, 3D-Daten oder Muster. Wir prüfen Machbarkeit und melden uns mit einem technischen und kaufmännischen Angebot.
